⚖️ Lehr-App zur doppelten Buchführung nach HGB – vereinfachte, erfundene Beispiele. Keine Steuer- oder Rechtsberatung; im Einzelfall Steuerberatung hinzuziehen.

📚Belege, GoBD und Abschlussthemen

Was neben dem eigentlichen Buchen dazugehört: wer buchen muss, wie Belege und Daten aufzubewahren sind, und wie Aufwand und Ertrag dem richtigen Geschäftsjahr zugeordnet werden.

👩‍⚖️Wer muss doppelt buchen?

🏢 Kaufleute

Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen (§ 238 HGB). Kapitalgesellschaften wie die GmbH sind immer Kaufleute kraft Rechtsform.

🪪 Befreiung für kleine Einzelkaufleute

Nicht mehr als 800.000 € Umsatz und 80.000 € Jahresüberschuss an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen (§ 241a HGB; steuerlich § 141 AO mit denselben Grenzen). Dann genügt die Einnahmenüberschussrechnung.

🩺 Freie Berufe

Freiberufler sind keine Kaufleute und ermitteln ihren Gewinn in der Regel per Einnahmenüberschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG).

🧾Belegprinzip: Keine Buchung ohne Beleg

Belegarten
├── Fremdbelege   Eingangsrechnungen, Kontoauszüge, Quittungen
├── Eigenbelege   Ausgangsrechnungen (Kopie), Kassenberichte, Lohnlisten
│                 Eigenbeleg bei fehlendem Fremdbeleg (Ausnahme, begründen!)
└── Notbelege     Ersatz für verlorene Belege – Ausnahme

Belegbearbeitung
  sammeln → prüfen (sachlich + rechnerisch) → kontieren („Kontierungsstempel“)
  → buchen (Belegnummer im Buchungssatz) → ablegen (nach Nummern, auffindbar)
💡 Warum so streng?
Ein sachverständiger Dritter muss sich in angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und die Lage des Unternehmens verschaffen können; jeder Geschäftsvorfall muss sich in Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen (§ 238 Abs. 1 HGB, § 145 Abs. 1 AO). Der Beleg ist die Brücke zwischen Wirklichkeit und Buchung.

💾GoBD in Kürze

Die „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) sind ein BMF-Schreiben (Fassung vom 28.11.2019, seither mehrfach angepasst). Sie konkretisieren, wie die Vorschriften der Abgabenordnung bei elektronischer Buchführung zu erfüllen sind.

🔍
Nachvollziehbar & nachprüfbar

Vom Beleg zur Buchung und zurück (progressive und retrograde Prüfung).

✅
Vollständig & richtig

Jeder Geschäftsvorfall einzeln, wahrheitsgemäß, ohne Auslassungen.

⏱️
Zeitgerecht

Bare Umsätze täglich festhalten (§ 146 Abs. 1 AO); unbare zeitnah, als Richtwert innerhalb von zehn Tagen.

🗂️
Geordnet

Systematisch und auffindbar, z. B. nach Datum und Belegnummer.

🔒
Unveränderbar

Eine Buchung darf nicht so geändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr feststellbar ist (§ 146 Abs. 4 AO). Korrekturen per Stornobuchung.

📘
Verfahrensdokumentation

Beschreibt, wie Belege erfasst, verarbeitet, gespeichert und aufbewahrt werden.

🗄️
Aufbewahrung (§ 147 AO)

Bücher, Inventare, Jahresabschlüsse 10 Jahre; Buchungsbelege 8 Jahre (seit 2025); Handels- und Geschäftsbriefe 6 Jahre.

🖥️
Datenzugriff

Die Finanzverwaltung darf bei einer Außenprüfung auf die elektronischen Daten zugreifen (§ 147 Abs. 6 AO).

📆Rechnungsabgrenzung (§ 250 HGB)

Aufwand und Ertrag gehören in das Geschäftsjahr, das sie wirtschaftlich betreffen – nicht in das Jahr der Zahlung.

Der Fahrradladen zahlt die Betriebshaftpflicht für 12 Monate im Voraus: 1.200,00 €, Versicherungsbeginn am 1. des gewählten Monats 2026.

Okt
Nov
Dez
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
🟥 Aufwand 2026: 3 Monate = 300,00 €🟦 gehört zu 2027: 9 Monate = 900,00 €
① Zahlung im Oktober
4360 Versicherungen1.200,00 €
an
1200 Bank1.200,00 €
② Abgrenzung am 31.12.2026
0980 Aktive Rechnungsabgrenzung900,00 €
an
4360 Versicherungen900,00 €
③ Auflösung am 01.01.2027
4360 Versicherungen900,00 €
an
0980 Aktive Rechnungsabgrenzung900,00 €
💡 Aktive RAP (ARA)
Zahlung vor dem Stichtag für Aufwand nach dem Stichtag – z. B. im Voraus bezahlte Miete, Versicherung, Kfz-Steuer. Steht auf der Aktivseite.
✅ Passive RAP (PRA)
Einnahme vor dem Stichtag für Ertrag nach dem Stichtag – z. B. im Dezember erhaltene Miete für Januar. Steht auf der Passivseite: „Erlöse an Passive Rechnungsabgrenzung“.

🧯Rückstellungen (Überblick, § 249 HGB)

Rückstellungen sind Fremdkapital für Verpflichtungen, die dem Grunde oder der Höhe nach noch ungewiss sind, deren Ursache aber im abgelaufenen Jahr liegt.

  • ungewisse Verbindlichkeiten, z. B. Kosten für den Jahresabschluss, Steuernachzahlungen, Prozesskosten
  • drohende Verluste aus schwebenden Geschäften (steuerlich nicht zulässig, § 5 Abs. 4a EStG)
  • unterlassene Instandhaltung, die in den ersten drei Monaten des Folgejahres nachgeholt wird
  • Gewährleistungen ohne rechtliche Verpflichtung (Kulanz)

Bewertung mit dem nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrag (§ 253 Abs. 1 HGB).

Beispiel: Für die Erstellung des Jahresabschlusses werden 2.000 € erwartet.
31.12.: Aufwand im alten Jahr (Konto „Abschluss- und Prüfungskosten“ bzw. hier vereinfacht ein sonstiges Aufwandskonto) an Rückstellungen
Abschluss- und Prüfungskosten an Sonstige Rückstellungen 2.000,00 €
Im Folgejahr kommt die Rechnung über 2.000 € netto: Die Rückstellung wird verbraucht (eine Differenz wäre periodenfremder Aufwand bzw. Ertrag).
0970 Sonstige Rückstellungen2.000,00 €
1576 Abziehbare Vorsteuer 19 %380,00 €
an
1200 Bank2.380,00 €

👛Privatentnahmen und Privateinlagen

Im Einzelunternehmen darf die Inhaberin Geld oder Sachen entnehmen und Privatvermögen einlegen. Beides ändert das Eigenkapital, ist aber kein Aufwand und kein Ertrag – der Gewinn darf dadurch nicht verfälscht werden.

Entnahme von 400 € bar:
1800 Privatentnahmen allgemein400,00 €
an
1000 Kasse400,00 €
Einlage von 2.000 € auf das Geschäftskonto:
1200 Bank2.000,00 €
an
1890 Privateinlagen2.000,00 €
💡 Abschluss der Privatkonten
Am Jahresende über das Eigenkapital: „Eigenkapital an Privatentnahmen“ und „Privateinlagen an Eigenkapital“. Gewinn nach § 4 Abs. 1 EStG = EK-Ende − EK-Anfang + Entnahmen − Einlagen.
⚠️ Sachentnahmen
Entnimmt die Inhaberin Waren (z. B. ein Fahrrad für den privaten Gebrauch), ist das eine unentgeltliche Wertabgabe, die in der Regel der Umsatzsteuer unterliegt (§ 3 Abs. 1b UStG) – dafür gibt es eigene Erlöskonten.

🏛️Eigenkapital: Einzelunternehmen vs. GmbH

👤 Einzelunternehmen

Passiva
A. Eigenkapital
   Kapital der Inhaberin   (variabel)
     + Gewinn / − Verlust
     − Privatentnahmen
     + Privateinlagen

Ein bewegliches Kapitalkonto; Gewinn, Verlust und Privatvorgänge verändern es direkt. Keine Mindesteinlage.

🏢 GmbH (§ 266 Abs. 3 HGB)

Passiva
A. Eigenkapital
   I.   Gezeichnetes Kapital    (fest, Stammkapital)
   II.  Kapitalrücklage
   III. Gewinnrücklagen
   IV.  Gewinnvortrag / Verlustvortrag
   V.   Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag

Stammkapital mindestens 25.000 € (§ 5 GmbHG). Keine Privatkonten: Gesellschafter erhalten Gewinnausschüttungen nach Beschluss; ein Geschäftsführergehalt ist Aufwand der GmbH.